respect existence or expept resistance

Enjoy Capitalism

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Montag, 19. März 2012

Heroinvergabe und Drogenhilfe

Eine Lobby verrät ihre Klientel

 


Der Krieg gegen die Drogen ist auch in Deutschland immer noch ein Krieg gegen die Abhängigen. Deren Leben bleibt geprägt von Kriminalisierungsdruck, Inhaftierung, Obdachlosigkeit, Psychiatrisierung, Viren- und anderen Infizierungen, sozialer und körperlicher Verelendung, Vertreibung, „Junkie-Jogging“, Platz- und Aufenthaltsverboten, Ingewahrsam- und Festnahmen (oft ausschließlich, weil sie als störend visualisiert werden) und einer "Schimanskisierung polizeilicher Verfolgung" (Wolfgang Schneider). Von den ca. 64 000 Häftlingen in Deutschen Justizvollzugsanstalten sitzen etwa die Hälfte "wegen oder mit Betäubungsmittelgesetz-Hintergrund".


In Deutschland leben etwa 200 000 Heroin- und Opiat-Abhängige, in Köln 2500 bis 3000, knapp ein viertel Prozent der Bevölkerung, in der EU plus Norwegen sind es etwa 1,5 Millionen Menschen, von denen ca. 15 000 jährlich an den Folgen ihrer Suchterkrankung sterben.



Abstinenz oder "beigebrauchsfreie" Substitution sind keine Alternativen

Neben der gewaltigen Repressionsmaschinerie hat sich ein nicht minder aufgeblähter "Hilfskomplex" entwickelt, für den die deutschen Sozial- und Rentenversicherungsträger jährlich etwa 10 Milliarden (10.000.000.000) Euro ausgeben; gemessen an den marginalen Erfolgen eine ernüchternde Bilanz. Als das Scheitern der Abstinenz-Ideologie nicht mehr zu übersehen war, wurde zwar mit Fixerstuben, Spritzentausch, Cafés und Notschlafstellen etwas Sozialkosmetik verwirklicht, der Grundsatz "Abstinenz oder Strafe" aber nie wirklich aufgegeben, sondern nur um einige Zugeständnisse "aufgeweicht". So werden inzwischen zwar etwa 60 000 Abhängige von ca. 2000 Ärzten in Deutschland meist mit Methadon substituiert, doch die drogenpolitische Realität lässt immer noch ausschließlich Abstinenz oder "beigebrauchsfreie" Substitution als Pseudo-Alternativen zu. Präventiv-medizinischen Ziele, Überlebenssicherung der Patienten und sozialpolitische Schadensminimierung spielen weiter nur eine Nebenrolle.

"Schimanskisierung polizeilicher Verfolgung"

Eine Studie mit dem Titel "Einstellungen und Vorurteile substituierender Ärzte" dokumentiert ein erschreckend "breites Spektrum negativer Einstellungen und Defizite in großen Teilen der substituierenden Ärzteschaft". Mangelhaftes Wissen über die Substanzwirkungen, strikte Durchsetzung eigener, oft willkürlicher Regeln und häufig lebensgefährliche Behandlungsabbrüche als Sanktion für Heroin-Rückfälle gehören zum grauenhaften Alltag solcher ‚Drogenbewirtschaftung’. Straßen-Heroin bleibt das Problem auch in der Substitution, die daher geprägt ist durch tägliche, kontrollierte Einnahme in den Praxen und einem regelrechten Wettrüsten beim Nehmen und Fälschen von Urinproben.





Nicht weniger repressiv sind die (Teil-)Entgiftungsstationen in den geschlossenen Psychiatrien und die Deutschen Drogentherapien, die bei 90 % Ihrer Klientel als Hafterleichterung fungieren, und schon deshalb kaum als unabhängig vom Justiz- und Vollzugsapparat bezeichnet werden können.

Die drogenpolitische Revolution von 2009

Doch es hat sich - bisher weitgehend unbeachtet - eine kleine drogenpolitische Revolution in Deutschland ereignet: 2009 wurde - auf maßgeblichen Druck der Grünen aber auch Teilen der SPD, der FDP und der Linken - das Gesetz zur diamorphingestützten Behandlung  ("Heroinvergabe") verabschiedet. 2010 wurde Diamorphin (synthetisches Heroin) in den Leistungskatalog der Kassen aufgenommen.
Jahrelange Studien in sieben deutschen Großstädten hatten bei etwa 500  Schwerstabhängigen beeindruckend deutlich die Vorteile des Diamorphins gegenüber Methadon nachgewiesen. Der Gesundheitszustand der Probanden verbesserte sich deutlich, der Konsum von Straßenheroin ging auf Null zurück, ebenso fast die Beschaffungskriminalität und sogar die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatte sich mehr als verdoppelt. Fast schon euphorisch liest sich im Beschluss des Bundesgesundheitsministeriums von Mai 2009, den Kosten einer Heroinbehandlung stünden pro Patient "Einsparungen in Höhe von insgesamt 10000 Euro pro Jahr" gegenüber.


Lasst die Ärzte endlich ihren Job machen

Die Tür zur Originalstoffvergabe war aufgestoßen, die jahrzehntelange Forderung der Vertreter einer akzeptanzorientierten Drogenpolitik war erfüllt und damit das Ziel in erreichbarer Nähe, dem Drogenhandel (im Heroin- und Opiatbereich) die Grundlage zu entziehen, die Zahl der Drogentoten und die Beschaffungskriminalität zu minimieren, die offenen Drogenszenen aufzulösen, kurz: sämtliche Probleme, die mit Straßenheroin und dessen Konsum einhergehen, zu minimieren oder ganz zu lösen.
Doch was wurde aus dieser Chance bisher gemacht? Die sieben bisherigen Vergabestellen blieben zwar in Betrieb, doch in keiner der übrigen 73 deutschen Großstädte, geschweige in kleineren Kommunen, wurde bisher auch nur eine einzige Vergabestelle eingerichtet! An den Zugangskriterien kann es kaum liegen: die Indikationen erfüllen wahrscheinlich weit mehr als die ursprünglich anvisierten 6000 Patienten.

Oberflächlich wird die hohe Anschubfinanzierung skandalisiert, doch Kosten und Nutzen einer Diamorphin-Vergabe darauf zu reduzieren, wäre betriebs- und volkswirtschaftlicher Unsinn. Tatsächlich liegt die mit etwa 100 000 Euro pro Vergabestelle relativ hoch. Denn nach den strengen, vom LKA zu überwachenden Vorschriften müssen die Räumlichkeiten über höchste Standards mit Videoüberwachung, Sicherheitsglas, Tresoren, Alarmanlagen und einen Sicherheitsring verfügen. Zweifel sind berechtigt, ob - erst recht in Zeiten klammer Kommunen - solcher Aufwand notwendig ist, oder ob ein Tresor und Panzerglas nicht auch ihren Zweck erfüllen würden.
Doch der eigentliche Skandal ist ein anderer: der Apparat sogenannter Drogenhilfen, über Jahrzehnte gewachsen um die Folgeschäden des Straßenheroins zu mindern, scheint sich in Zeiten massiver Kürzungen ganz auf Bestandssicherung und sich selbst zu konzentrieren, und drogenpolitischen Fortschritt nicht als Verpflichtung sondern als Besitzstandsgefährdung zu begreifen. Auf kommunaler Ebene wird sogar nicht selten kaltschneuzig der Bedarf an einer Heroin-Vergabe kategorisch bestritten, und damit der eigene therapeutische und wissenschaftliche Anspruch ad absurdum geführt: Die meisten Abhängigen seien schließlich mit der bisherigen Substitution "gut versorgt" - was nicht nur auf Grund der Studien und Modellprojekte sehr zu bezweifeln ist - und überhaupt sei die Anschubfinanzierung nicht aufzubringen. Solche Ausreden hören Kommunalpolitiker nicht ungern, erst recht, wenn sie von scheinbar unverdächtiger Seite kommen, und die unbestrittenen, immensen Einsparungen, die eine solche Vergabestelle mit sich brächte, nicht unbedingt und nicht direkt das eigene Budget betreffen.





Und so verliefen alle Planungen für die Eröffnung von Diamorphin-Vergabestellen in deutschen Städten bisher im Nichts.

Die Drogenhilfen ziehen "Motivational Interviewing for non treatment seaking people" konkreter medizinischer Hilfe vor

 Nicht die neuesten Studien und Forschungsprojekte über " In-Take-Gespräche", "Motivational Interviewing als Stand-alone-Behandlung" oder "non-treatment-seeking population", keine Seminare über "Genderproblematik im Drogenbereich", "neue Gebrauchsmuster", oder "stand-alone-Intervention zur Stärkung der Motivationsarbeit"; auch nicht die oft unfreiwillige psychosoziale Betreuung von Substituierten, das ausufernde "Case Management" - nicht diese ganze Psychotherapeutisierung der Abhängigen, die ständigen, drehtürmäßigen Einweisungen in Akut-Stationäre-Behandlungen, nicht die unzähligen Therapie- und Substitutionsabbrüche, weder das gesamte, inzwischen unüberschaubare Diagnose- und Methodenarsenal noch die Labortechnik und Pippi-Überwachungsindustrie, nicht all diese und andere unzählige Maßnahmen zur Folgebehandlung und Sanktionierung des Konsums von Straßenheroin! - Nein!! - all das ist nicht zu teuer? Aber die Anschubfinanzierung für eine kostendeckende Diamorphin-Vergabestelle, die soll angeblich den doch generell in der Drogenhilfe so unbescheidenen finanziellen Rahmen sprengen.

Das soziale Phänomen der Drogenszenen und des "Junkies" wird  aufhören zu existieren, 

Wie absurd diese Behauptung ist, beweisen schon die bestehenden Einrichtungen. Es gibt Sponsoren, man kann Vergabestellen an bereits bestehende Einrichtungen angliedern wie in Köln, an Krankenhäuser anschließen wie in Bonn oder den Betrieb sogar der Arbeiterwohlfahrt überlassen wie in Karlsruhe. In kaum einer Kommune geht es wirklich um die 100 000 Euro Anschubfinanzierung, es fehlt offensichtlich an Überzeugung und Mut, im Interesse der Patienten den klar formulierten Willen des Gesetzgebers umzusetzen. Die enormen Einsparungen für die öffentlichen Kassen durch die Einrichtung einer Vergabestelle sind im Übrigen so hinlänglich nachgewiesen, dass jeder, der objektiv die Finanzierungen analysiert, sich ohnehin mehr Sorgen um die Kosten einer Nicht-Umsetzung macht.
Die gesetzliche Möglichkeit der Direktvergabe ist ein historischer Meilenstein der Drogenpolitik, der gegenwärtig um den Preis des Verrats an 40 Jahren medizinischer, politischer, wissenschaftlicher und drogentherapeutischer Arbeit und am verfassungsmäßigen Willensbildungsprozess verpasst zu werden droht.
Das soziale Phänomen der Drogenszenen und des "Junkies" wird in unserer modernen, sozialen Demokratie aufhören zu existieren, sobald die Kommunen die Ärzte nun endlich ihren gesetzlich vorbeschriebenen Job machen lassen. Die nachgewiesenen enormen Einsparungen werden dringend benötigt, und das unwürdige, kleinkriminelle und verwahrloste Milieu in unseren Innenstädten wird der Vergangenheit angehören.




Die Richtlinien zur Heroinvergabe werden gegenwärtig vom Kassen-Ausschuss (GB-A) überarbeitet. Einige unnötige Hindernisse – z. B. dass die Vergabe täglich 12 Stunden unabhängig von den Öffnungszeiten besetzt sein muss – werden wegfallen. Auf die vorgegebenen Sicherheitsstandards hat der Kassen-Ausschuss keinen Einfluss. Aber vielleicht darauf, den Kommunen logistische Unterstützung zu kommen zu lassen, vielleicht sogar den Aufbau solcher Vergabestellen, die auch neue Arbeitsplätze schaffen, zu standardisieren und von zentraler Stelle zu unterstützen.



Ärztekammer, Polizeipräsidenten, Sozial- und Berufsverbände: An einige neue Verbündete muss man sich als Junkie noch gewöhnen
Die Heroin-Süchtigen finden sich in der paradoxen Situation wieder, inzwischen zwar starke Verbündete zu haben in Sozialverbänden, der Bundesärztekammer, in vielen Berufsverbänden wie denen der Deutschen Psychiater und der Psychotherapeuten, in vielen Bundes- und Landespolitikern, ja sogar in Polizeipräsidenten. Die etablierten Drogenhilfen und lokalen Politiker aber stehen dem epochalen Wandel, der Verwirklichung der Direktvergabe, weitgehend  gleichgültig, hilflos oder ablehnend gegenüber.

Mangelnder politischer Sachverstand im Kommunalen Bereich lässt Fortschritte im Drogenbereich scheitern

Unzählige Schwerstabhängige in Deutschland warten verzweifelt auf die Umsetzung des Gesetzes. Einschlägige Internetforen quellen über von Leidensgeschichten über verstorbene Abhängige, verzweifelte Angehörige und Substituierte und wütenden oder ohnmächtigen Hilfeschreien. Menschen, denen gesetzlich seit Jahren qualifizierte medizinische Hilfe zusteht, diese aber bisher konsequent und fast bundesweit verweigert wird.


Eine bedeutende Errungenschaft urbaner Zivilisation endlich wieder entdeckt; (was ist eigentlich aus der bisherigen Scheiße in 40 Jahren Drogenhilfe geworden?)
So sieht moderne Sozialpolitik aus, wenn ideologischer Pragmatismus auf drogenpolitischen Unverstand trifft                                 Krefeld/Theaterpatlz                                                                                        

Die Kommunen wenden seit Jahren viel Zeit, Geld und Personal auf, um einen Reparatur- und Kontrollbetrieb rund um die Drogenszenen aufrecht zu erhalten. Und auch der Polizeiapparat ist - mal unwillig mal enthusiastisch - nicht untätig, Schwerstabhängige wegen geringster Konsumeinheiten zu verfolgen. Da wird es mit den Gesetzen dann oft weniger genau genommen. Doch mit immer mehr Schwarzen Sheriffs, illegaler Videoüberwachung, Razzien und zweifelhaften Entziehungen von Grundrechten werden gewiss keine drogenpolitischen Fortschritte erzielt.

Bedeutende politische Gesetzesgebung droht an mangelndem lokalen drogen- und rechtspolitischem Sachverstand zu scheitern. 


Karl Karam, Krefeld, Köln, seit 21 Jahren opiatabhängig

Freitag, 17. Februar 2012

Kommentar: In Marokko ist noch alles möglich

Kommentar: In Marokko ist noch alles möglich

aus "Naher und Mittlerer Osten ("Aschark")", eine Website die ich sehr empfehle:
 http://www.alsharq.de/2012/01/kommentar-in-marokko-ist-noch-alles.html#more


Liebe Leserinnen und Leser,

anders als in Tunesien blieb in Marokko ein politischer Umsturz aus. Allerdings hat sich eine Bewegung gebildet, die sich für politische Reformen und mehr Demokratie einsetzt: Die Bewegung des 20. Februar, benannt nach dem Tag, an dem Tausende Marokkaner auf die Straßen gingen und auf friedliche Weise grundlegende Freiheiten einforderten. Es folgt ein Bericht eines Aktivisten der Bewegung des 20. Februar.  

Von Mehdi Bouchoua

25. Dezember 2011, Rabat.
Um 16 Uhr befindet sich bereits ein Dutzend junger Menschen der Bewegung des 20. Februar auf dem Bab Al Ahad-Platz und bereitet die erste Demonstration vor, seitdem die Islamisten von Al Adl Wal Ihsan (Gerechtigkeit und Wohltätigkeit) - die größte politische Strömung Marokkos - der Bewegung des 20. Februar ihre Unterstützung entzogen haben.

Alle sind besorgt, denn es könnte das Ende der Bewegung bedeuten, die am 20. Februar 2011 als Reaktion auf den Arabischen Frühling entstanden ist und die den Marokkanern Hoffnung auf einen wahren Wandel und auf ein Ende der Despotie sowie der Korruption gegeben hat.


Diese Bewegung hat sich von Beginn an für tiefgreifende Reformen, und nicht für den Sturz der Monarchie ausgesprochen.
Vielmehr zielt sie auf die Errichtung einer parlamentarischen Monarchie ab, bei der alle Gewalten vom Volk ausgehen.

Das marokkanische Regime ist ein semiautoritäres System, das - je nachdem - politische Gegner verprügeln lässt, oder wenn es opportun erscheint Zugeständnisse macht. In den letzten zehn Monaten schwankte es zwischen dieser doppelzüngigen Strategie von Zuckerbrot und Peitsche hin und her, um die Protestbewegung so gut es geht zu neutralisieren und nicht das Los der großen arabischen Diktatoren zu erleiden.

Was wurde bislang erreicht?

Auf der politischen Ebene wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die dem Parlament mehr Macht verleiht und Fortschritte im Bereich der Einhaltung der Menschenrechte und der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen mit sich bringt. Allerdings wird auch die neue Verfassung von der Opposition abgelehnt, da es sich um eine von oben „bewilligte“ Verfassung handelt, die nicht vom Volk ausging und bei der der Großteil der Macht weiterhin in den Händen des Königs bleibt.
Außerdem fanden vorgezogene Wahlen statt, die den Islamisten der PJD (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) zum ersten Mal erlaubten, 107 Sitze im Parlament zu gewinnen, eine Regierung zu bilden und diese zu leiten.

Auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene wurden Gehaltserhöhungen für Angestellte des öffentlichen Dienstes verfügt, einige Arbeitslose wurden für den öffentlichen Dienst rekrutiert und Jobversprechen an weitere Gruppen gegeben.


Das alles ist den Opfern junger Aktivisten zu verdanken, die bereits neun Märtyrer in ihren Reihen zählen: Fünf durch Selbstverbrennung im Kontext der Ausschreitungen des 20. Februar, eine junge alleinstehende Mutter, die sich am 21. Februar nach dem Beispiel Mohammed Bouazizis ebenfalls das Leben durch Selbstverbrennung nahm, zwei Aktivisten, die von den Sicherheitskräften zu Tode geprügelt wurden und außerdem ein Aktivist, der durch einen Regimeanhänger erdrosselt wurde. Nicht zuletzt müssen auch politische und Gewissensgefangene genannt werden, wobei Mouad Belghouate alias HAKED (der Empörte), Rapper und Aktivist, seit drei Monaten ohne Gerichtsverfahren inhaftiert ist ….

16:10 Uhr: Die Demonstration beginnt, ca. Hundert Menschen sind schon da, singen Loblieder für die Märtyrer und fordern eine wahre Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Gleichheit, während weitere Demonstranten dazu stoßen.

16:30 Uhr: Der Demonstrationszug bewegt sich in Richtung Parlament, wir sind ca. 3000 Demonstranten. Die jungen Menschen sind froh, niemand hatte mit so vielen gerechnet, nachdem die Islamisten abgesprungen waren. Noch besser, jetzt können wir Slogans für die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen singen, wir können auf der Straße tanzen, uns in den Arm nehmen, ohne den Groll islamistischer Demonstranten auf uns zu ziehen.

Gesichter, die aufgrund der Teilnahme der Islamisten die Bewegung verlassen hatten, sind wiederaufgetaucht, Feministinnen und linke Intellektuelle sind präsent und der Hauptslogan aller Teilnehmer lautet «MAMFAKINCH! » (Wir geben nicht auf!).

18 Uhr: Ende der Demonstration, Abschlussrede eines Jungen aus unserer Bewegung. Unser Kampf für Gleichheit, Freiheit und soziale Gerechtigkeit geht weiter. Unsere Strategie ist klar definiert: den Druck der Straße aufzubauen und so viele Bürger wie möglich zu mobilisieren, es lebe das Volk!


19 Uhr: Die jungen Menschen finden sich in Internetcafés ein und versuchen Informationen über die Demonstrationen herauszufinden, die parallel in 61 anderen Städten des Königreiches stattgefunden haben. – Von überall liest man gute Nachrichten: Casablanca 10.000 Demonstranten, Tanger 30.000….

In Marokko ist noch alles möglich, die Bewegung 20. Februar geht aus jeder Krise gestärkt heraus.
Sicher, es wird weniger mobilisiert als früher, die Marokkaner warten darauf, welche Reformen ihnen die islamistische Regierung bieten kann und die anderen Islamisten aus der Opposition haben sich aus Solidarität mit ihren regierenden Brüdern aus der Bewegung zurückgezogen.

Es gibt gleichwohl schlechte Entwicklungen:

Der König hat ein Schattenkabinett errichtet und von den Marokkanern verhasste Symbolfiguren für  Korruption wie Fouad Ali Lhimma als Berater eingesetzt. Nicht zuletzt hat er entgegen der neuen Verfassung 29 Botschafter ernannt, da die neue Konstitution diese Aufgabe für den Premierminister vorsieht. In der neuen Regierungskoalition soll außerdem die Istiqlal-Partei vertreten sein, die mehrheitlich aus korrupten Politikern besteht, welche die Marokkaner anwidern.


Schließlich steht eine Wirtschaftskrise bevor, da über 70% der Handelsgeschäfte Marokkos mit der Europäischen Union getätigt werden, welche derzeit eine große Krise durchläuft. Der Grad an politischem Bewusstsein der Marokkaner nimmt dank der Protestbewegung stetig zu. Überall in der Peripherie Marokkos entstehen spontane Bewegungen, die korporatistische Forderungen wie das Recht auf eine Wohnung, vereinen.

Das Bild Marokkos als Ausnahme in der arabischen Welt, das die Autoritäten mit Hilfe von katarischen und europäischen Medien von sich zeichnen möchten, wird nicht lange halten können… alles ist noch möglich!

Übersetzung aus dem Französischen von Naoual Belakhdar.




Donnerstag, 16. Februar 2012

Was weint Scheich Nasser?

Die Tränen des Saudi-Scheichs Nasser al-Omar:
"Die Gemeinschaft der Muslime diskutiert nicht mit Atheisten, sie tötet sie"

Keine Sorge, liebe Brüder (+ Schwestern), der Prediger weint nicht um die Opfer seiner Hetze und seines menschenverachtenden Wahns, es ist auch kein Anflug von Reue oder Zweifel in die Unfehlbarkeit seines eigenen Glaubenswächter-Terrors. Er weint auch nicht um die Opfer von Kriegen, Hungersnöten oder anderer Katastrophen. Er weint über die "Beleidigung" seines Propheten und die Verneinung Gottes. Dann ist es ja gut, könnte man meinen, Gottseidank ist nichts passiert. Doch weit gefehlt. Es sind giftige Tränen, die sich wie Alien-Säure durch die gleichgeschalteten Hirne seiner blutdürstigen Jünger fressen.
Hamza Kashgari.Auch sein Blut soll fließen durch die Hände bitterböser Religionsdeppen 



Kashgaris Geburtstags-Tweets: 

Am letzten Samstag, einen Tag vor dem Geburtstag Muhamads - in vielen islamischen Ländern gesetzlicher Feiertag - philosophierte Kashgari auf Twitter folgende Tweets, die es wert sind, groß gedruckt zu werden:

Tweet Nummer 1: 

„An deinem Geburtstag werde ich sagen, dass ich den Revolutionär in dir liebte, der mich immer inspirierte. Aber ich mag den Heiligenschein nicht. Ich bete dich nicht an.“

Tweet Nummer 2: 

„An deinem Geburtstag sehe ich dich, wohin immer ich mich wende. Ich werde sagen, dass ich Dinge an dir liebte, Dinge hasste und viele andere Dinge nicht verstand.“


Tweet Nummer 3:
 „An deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor dir verbeugen, nicht deine Hand küssen. Ich werde sie schütteln wie ein Ebenbürtiger und dich so anlächeln wie du mich anlächelst. Und ich werde mit dir nur so sprechen wie mit einem Freund...Mehr nicht.“






 Hamza Kashgari´s Leben ist wohl kaum mehr zu retten. Die wahhabitische Mord- und Totschlag-Vereinigung hat ihn inzwischen von Malaysia nach Gaudi-Arabien verschleppt. Die Gemeinschaft der Rechtgläubigen schreit wieder mal nach Blut, diesmal nach dem eines eigenen Bruders, der die obigen, sehr interessanten und diskussionswürdigen Gedanken geäußert hat. Ein schwerer Verstoß gegen das islamische Verbot jedes religionswissenschaftlichen Diskurses in eigener Sache. Da half auch löschen und entschuldigen nichts mehr. Hamza warf sich sofort in den Staub und bereute unter dem Beten des Islamischen Glaubensbekenntnisses diese unterwürfige Entschuldigung, in der er mehrfach den allmächtigen Gott um Verzeihung bittet und sich zum Siegel der Propheten Mohamed bekennt:
Vergeblicher Widerruf: "ich bereue...ich bitte um Vergebung...ich bekenne, es gibt keinen Gott außer Allah und Mhmd ist sein Prophet"

Doch auch dieser Widerruf, und selbst seine Flucht nach Malaysia waren zu spät und vergeblich; das wahhabitische Establishment hatte sich längst 10-tausendfach auf den intellektuellen Abweichler eingeschossen, der wohl schon zuvor als frei Denkender aufgefallen war. Ein Exempel wird statuiert, gegen jede arabisch-jugendliche, intellektuell-frühlingshafte geistige Regung. Denn intellektuelle und wahhabitische Rechtschaffenheit schließen sich aus. Wer nicht mehr überzeugt ist von der Unfehlbarkeit der bärtigen Tyrannen, der soll eingeschüchtert oder liquidiert werden. Wieder mal empört sich massenhaft diese sitten- und lynchgeile Gemeinde der generalsstabsmäßig mobilisierten Freitagsbeter.

Doch sollten wir uns nicht irren: dieser Terror gilt Allen, die ihr Hirn nicht bedingungslos in die wahhabitische Wüstentonne kloppen.

Darum weine ich heute auch: um diesen bedauernswerten jungen Denker, und um jeden verletzten oder getöteten Navy-Seal, KSK, GSG, IDF und sonstigen Soldaten, der uns, hoffentlich, vor diesen blutrünstigen unbarmherzigen Lynch- und Terror-Regimen schützt.


          Der Terror geht weiter...

Dienstag, 14. Februar 2012

Mittwoch, 8. Februar 2012

"Eine Schwuchtel zu sein entspricht der Scharia"

Homophobe Welle in Tunesien

Eine Welle der Homophobie entzündet sich in Tunesien gegenwärtig an der Ennahda-Partei. Deren Innenminister Ali Larayedh habe 1991 angebliche in einem Schwulenporno mitgespielt. Wer diese völkische Empörung mit offensichtlich gezielten "Enthüllungen" über die angebliche schwule Unterwanderung der Ennahda - egal ob nun wahr oder nicht - angestoßen hat, ist unklar.

Es scheint, dass die aktuelle Schwulen-Panik ihre Wurzeln in den Kampagnen von Anhängern der Ennahda-Partei selbst gegen konkurrierende Parteien hat, und nun auf sie zurückschlägt. Etwas ernüchternd ist die Bereitschaft und Begeisterung, mit der die Anhänger der Opposition, die Menschenrechte und Demokratie verfechtet haben, den homophoben Diskurs nun selbst befördern. 

Die größten Verlierer dieser Kampagne sind die tunesischen Homosexuellen. Während der Zeit Ben Ali´s wurde Homosexualität in der tunesischen Gesellschaft totgeschwiegen. In der jetzigen öffentlichen Kampagne steht sie nun synonym für Pädophile, Korruption, mangelnde Integrität und Heuchelei.

"Eine Schwuchtel zu sein entspricht der Scharia" (rechts unten das Logo der Ennahda-Partei)


Samstag, 14. Januar 2012

Seriennummern vergessen?

 Get My Keys Back 2: Hilft bei Verlust von Seriennummern installierter Programme; liest unter anderem Schlüssel aus und lässt sich ohne Installation und Administrationsrechte starten:
Screenshot

Hier 62 kb downloaden; lässt sich sofort starten ohne Installation:

Get My Keys Back 2, Download bei heise

Freitag, 30. Dezember 2011

Bilanz einer mörderischen Drogenpolitik

Das Sterben geht weiter...

Städte und Gemeinden in Deutschland verweigern konsequent die Umsetzung geltenden Rechts

Deutschland führte von 2002 bis 2007 eine Medikamentenstudie durch, an deren Ausgang die erwiesene Eignung und Zulassung von Diamorphin als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel stand. Eine darüber hinausgehende Legalisierung von Diamorphin war und ist bisher nicht geplant.
Am 28. Mai 2009 wurde die Aufnahme der diamorphingestützten Behandlung in die Regelversorgung vom Bundestag mit 349 Ja-Stimmen und 198 Nein-Stimmen beschlossen.[1]
Die als Modellprojekte bezeichneten Medikamentenstudien in sieben deutschen Städten, die bis zu diesem Zeitpunkt bestanden, wurden darauf hin in die Regelversorgung überführt. 2010 wurden Behandlung und Medikation vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) aus Kassenärzten und Krankenkassen in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen.[2] Trotzdem ist auch zwei Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes keine einzige neue Vergabestelle in Deutschland hinzu gekommen. Im Gegensatz zu vielen Wohlfahrts- und Berufsverbänden, die für eine flächendeckende Umsetzung des Gesetzes plädieren[3], wurde eine Umsetzung dieser neuen gesetzlichen Möglichkeit von den Kommunen bisher kaum bis gar nicht in Angriff genommen. Dies hat besonders auch damit zu tun, dass im G-BA die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gegen Widerstand vor allem der Patientenvertreter einige Anforderungen an die Herointherapie - gegenüber denen zuvor im Modellprojekt - deutlich erhöht und damit verteuert haben. Besonders die neuen Vorgaben, dass die Vergabestellen - unabhängig von Vergabezeiten und Anzahl der Patienten - täglich mindestens zwölf Stunden besetzt sein und über mindestens drei ärztliche Vollzeitstellen verfügen müssen, stellen für viele Kommunen ein schwer überwindliches Hindernis dar.[4] Eine kostendeckende Realisierung des neuen Gesetzes ist daher fast nur möglich, wenn die Diamorphin-Vergabe integriert werden kann in bereits bestehende, größere substituierende Ambulanzen, Krankenhäuser, Gemeinschaftspraxen u.ä.[5] Im August 2011 sah sich die Bundesregierung zwar veranlasst zu betonen, sie "würde es begrüßen, wenn es für die Zielgruppe der diamorphingestützten Substitutionsbehandlung weitere Standorte in Deutschland gäbe", kündigte aber keine Überprüfung dieser administrativen Hindernisse an.[6]

Quellen:

  1. http://npl.ly.gov.tw/pdf/6887.pdf
  2. Bis dahin trugen die betroffenen Städte diese Kosten.http://www.rp-online.de/gesundheit/news/Diamorphin-wird-kuenftig-von-Krankenkassen-bezahlt_aid_833843.html
  3. Die Bundesärztekammer (BÄK), die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), die Arbeiterwohlfahrt, der Berufsverband Deutscher Psychiater, der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Caritas u.a. bezogen einstimmig positiv Stellung zur diamorphingestützten Behandlung. Siehe die Websites und Verlautbarungen der einzelnen Verbände zum Stichwort "Diamorphinvergabe". In Karlsruhe, wo die Weiterführung der Vergabe gefährdet war, wurde sie inzwischen sogar von der Arbeiterwohlfahrt übernommen. siehe: http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Hoffnung-fuer-Heroinsuechtige-AWO-darf-Diamorphin-einsetzen;art6066,541739
  4. http://www.harald-terpe.de/de/meine-themen/andere-themen/anzeige/detail/heroinbehandlung-ist-jetzt-kassenleistung.html
  5. In vielen, auch größeren deutschen Städten existieren aber noch keine Einrichtungen in geforderter Größe, da die bisherige Substituierung dort dezentral organisiert ist, und sich auf kleinere Arztpraxen und Ambulanzen verteilt.
  6. http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=47006
siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Originalstoffsubstitution

Leider dominiert - entgegen aller wissenschaftlichen und ökonomischen Studien und Beweise - immer noch - wie selbstverständlich - der Grundgedanke, Repression und Kontrolle zu perfektionieren. Leider ist - sogar in Wikipedia (obiger Artikel soll wegen thematischer Überschneidung gelöscht werden, zugunsten folgenden Artikels: http://de.wikipedia.org/wiki/Substitutionstherapie_Opioidabh%C3%A4ngiger#cite_note-Seivewright-1) - ein Rückschritt zu beobachten:
die Ergebnisse der wissenschaftlichen Medikamentenstudien und Modellprojekte sowie das Gesetz von 2009 zur diamorphingestützten Behandlung ("Heroinvergabe an Schwerstabhängige") werden entweder ignoriert oder sogar schrittweise zurück genommen. Immer öfter muss man inzwischen lesen, die Diamorphin-Vergabe sei angeblich "zeitlich zu begrenzen", und diene nun plötzlich nur noch einer Stabilisierung, um danach (wieder) auf die "alten" Substitute (Methadon etc.) umzusteigen. Weder die ausführlichen Ergebnisse der Modellprojekte noch das Gesetz erwähnen auch nur mit einem Wort eine zeitliche Begrenzung, das saugt man sich nun einfach und plötzlich aus den Fingern. Besonders deutlich wird das auch in Düsseldorf, wo sich die Eröffnung der Ambulanz, die im Sommer schon fest stand, von OB und Verwaltung richtig hinterhältig boykottiert wird. Dem OB von Düsseldorf fiel immer was neues ein, um die Eröffnung zu verzögern. Kaum gabs (auf Druck der Grünen) Fortschritte, z.B. in der Standortsuche (Erkrather Str. am Hbf), wurden der Gesundheitsamt-Chef weg-befördert (nach Neuss) oder der Projektleiter in der Verwaltung ausgewechselt. Und plötzlich heißt es wie gesagt auch in den Düsseldorfer Ambulanz-Statuten, es ginge um eine zeitlich begrenzte Vergabe, Ziel sei die spätere Fortführung der Substitution mit Metha oder Subotex.

Ums es kurz zu sagen: statt Fortschritten sind Rückschritte zu beobachten und weiter zu erwarten, bestenfalls Stillstand, also quasi ein Verharren in der Modellprojekt-Phase. Das ist extrem unwissenschaftlich, und in einem anderen Politikbereich würde man sich ein solches Vorgehen natürlich nie erlauben. Aber wenn es um Heroin-Vergabe geht, weiß man natürlich die öffentliche Meinung, geprägt von einer nun fast 100-jährigen Manipulation und Verteufelung, für diesen Rückschritt aus zu nutzen.

Objektiv und wissenschaftlich wäre eine Ausweitung und Weiterentwicklung: siehe z.B. die nach fast 10-jähriger Praxis in einigen der sieben deutschen Vergabestellen bewährte

Möglichkeit, das Diamorphin auch oral einzunehmen anstatt zu spritzen. Dies ist im Gesetz zwar noch nicht vorgesehen, hat sich praktisch aber als medizinisch machbar und offensichtlich erfolgreich erwiesen. Auch wäre es eine Alternative für kleine Kommunen, die eine Umsetzung der intravenösen Vergabe als zu teuer, zeit- und personalintensiv ablehnen. Die für einen Rechtsstaat selbstverständlichen Bemühungen, geltendes Recht umzusetzen - besonders wenn es um Gesundheit und Überleben hunderttausender Bürger geht - sind für die Diamorphin-Vergabe außer Kraft gesetzt.
Statt einer logischen Weiterentwicklung, wie eine schrittweise Ausdehnung auf die Ausgabe von Diamorphin-Tabletten und/oder Zigaretten (wie z.B. in Großbritannien), für die vielen User, die nicht oder nicht mehr injizieren, bemüht sich keine deutsche Kommune, das bestehende Gesetz von 2009 nun endlich umzusetzen.

Nicht nur in der Provinz, sondern sogar in sämtlichen Großstädten wird weder die Wissenschaft noch der demokratische, parlamentarisch legitimierte Wille des Volkes respektiert, sondern im ideologischen Vorurteils-Nebel verharrt. 

Dazu gehen wie eh und jeh weiter täglich Süchtige in den Knast, finden Razzien und BTM-Strafverfahren ohne Ende statt, gehen unzählige Menschen hier an ihrer Heroinsucht zu Grunde. Es ist skandalös. Und natürlich nicht zu vergessen eine aufwendige Substitutions-Industrie, die um ihre Pfründe fürchtet. Ein mieses Geflecht von Profiteuren, basierend auf einer zunehmend pseudo-wissenschaftlichen Basis, die sich gegenseitig ihre Unentbehrlichkeit bescheinigen. Angefangen bei den angeblichen "Fachärzten" für Drogen mit ihrem Substitutions-Monopol, die anderen Ärzten die Kompetenz und das Recht auf die Behandlung von Süchtigen absprechen, obwohl es eine, anderen medizinischen Bereichen adäquate "Drogen-Facharzt-"Ausbildung bekanntlich überhaupt nicht gibt. Eng verbunden mit einer Pippi-Überwachungs-Industrie aus Laboren, teurem Equipement, medizinischem und Lieferpersonal, dem PSB-Apparat, einem riesigen stationären (Teil-)Ent- und Vergiftungs-Komplex (ausschließlich in geschlossenen Psychiatrien!), und einem ambulanten und stationären Therapie-"Angebot", das sich de facto und de jure nahezu komplett in den Repressionsapparat von Justiz und Staatsanwaltschaft integriert hat.

Dies alles natürlich auf Kosten der Solidargemeinschaft, und perfektioniert mittels einer
durch Verteilung auf verschiedene Kostenträger in Jahrzehnten maßlos erweiterten doppel- und dreifach-Behandlung, die aber weder dem Interesse der Patienten, noch einer akzeptierenden Drogenhilfe oder dem Stand der Wissenschaft Priorität einräumt, sondern weiter der immer diffuseren, inzwischen jeder wissenschaftlichen Grundlage entzogenen Doktrin einer Opiat- und Originalstoff-Abstinenz nachhängt. Diese Fehlentwicklung wird täglich teurer, hat nachweislich kaum Heilungserfolge, setzt immer gefährlichere und zweifelhaftere Methoden und Medikamente ein und wird von der überwiegenden Mehrzahl der Patienten und sogar des überforderten Personals als repressiv, entwürdigend und kontraproduktiv abgelehnt. Fast die komplette, längst unbezahlbar gewordene "Drogenhilfe"-Praxis hat sich zunehmend zum Selbstzweck entwickelt, und entzieht sich ebenso konsequent dem wissenschaftlichen Fortschritt und Forschungsstand wie sogar dem politischen Willensbildungsprozess.

Zum Leid bis zum Tod der Patienten und zum Nachteil aller Beteiligten stehen wir einem absurden Hilfsapparat gegenüber, der immer größere Ressourcen beansprucht und dessen Bemühungen und Anstrengungen entgegen jeder Vernunft fast nur noch dem Selbsterhalt dienen.